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Deutschland 1997

Originaltitel: The Fearless Four

Genre: Zeichentrick

Produktion: Eberhard Junkersdorf Eine Produktion der Bioskop-Film hergestellt in den Studios von Munich Animation

Verleih: Warner Bros.


Regie: Eberhard Junkersdorf Jürgen Richter Michael Coldewey

Drehbuch: Bert Henry, Dagmar Kekule', Georg Reichel

Musik: Peter Wolf

Deutsche Songs: Andreas Hommelsheim

Sprecher: Fred Mario Adorf Buster Bernd Schramm Buster Hartmut Engler (Gesang) Gwendolyn Sandra Schwarzhaupt Tortellini Joachim Kemmer Dr. Gier Peer Augustinski Powertool Frank Zander Erzähler Klaus-Jürgen Wussow

Kinostart: 2. Oktober 1997

Länge: 84 min




Eine Produktionstafel der englischsprachigen Fassung


Mit Bleistift und Maus-Klick
Nach mehr als 50 Spielfilmproduktionen übernimmt Eberhard Junkersdorf zusammen mit Jürgen Richter und Michael Coldewey erstmals auch als Regisseur die Verantwortung. Was ihm vorschwebte, war die Idealverbindung klassischer, per Hand gezeichneter Animation mit den buchstäblich grenzenlosen Möglichkeiten der im Computer generierten Fantasy-Visionen.
Die Hauptfiguren wurden dabei in traditioneller Technik mit dem Zeichenstift erstellt. 500.000 Bögen Zeichenpapier haben Animatoren und Phasenzeichner dafür verbraucht.
Erstmals werden computergenerierte 3D-Hintergründe verblüffend effektiv und in derartigem Umfang mit den zweidimensionalen Zeichnungen der animierten Hauptdarsteller kombiniert. Etwa 40 Prozent der Hintergründe kommen aus dem Computer.
Bremen bestimmt als atmosphärisch düsterer Großstadtmoloch aus dem Computer die Handlung. Von der ersten bis zur letzten Einstellung beanspruchen die exakt 120.960 Einzelbilder von "Die Furchtlosen Vier" 17 Millionen Megabyte (= 1,7 Terabyte) Speicherplatz.
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Das Märchen "Die Bremer Stadtmusikanten", von den Gebrüdern Grimm aufgeschrieben, handelt nicht von Musikern, und nach Bremen gelangt das tierische Quartett auch nie, denn das Happy-End ereilt es schon auf dem Weg dorthin. Gelingt es doch den vier zu Hause ausgerissenen Streunern unterwegs, mit ihrem ohrenbetäubenden Gebrüll eine Räuberbande aus deren Haus zu vertreiben und es für sich selbst als Domizil zu requirieren.
In der Grimmschen Version "singt" diese altersschwache, aber selbstbewußte Urzelle der Grauen Panther ein einziges Mal im Quartett - sehr effektiv, wie sich zeigt, doch für ein Zeichentrickmusical etwas zu kurz!
Und trotzdem: Produzent Eberhard Junkersdorf ("Die Blechtrommel") war von der Idee sofort fasziniert, als ihm sein Freund Bert Henry den berühmten Märchenstoff als Drehbuch anbot, das er zusammen mit der Autorin Dagmar Kekule' geschrieben hatte. Henry und Junkersdorf entwickelten daraufhin gemeinsam die endgültige Drehfassung unter dem Titel "Die Furchtlosen Vier". Vom Märchen blieben nur die Helden übrig - und der berühmte Spruch des Esels: "Etwas Besseres als den Tod findest du überall".
Doch wer sollte Junkersdorfs Vision einer Großproduktion mit internationalem Appeal adäquat umzusetzen? "Mir fiel einfach kein Studio ein," sagt er. "Also habe ich mir gedacht, dann mach' ich es halt allein." Kurzerhand gründete er die Munich Animation GmbH, sein eigenes digitales Trickstudio. Dort fuhr man 1995 auf den 800 qm einer stuckverzierten Gründerzeitwohnung in München-Schwabing die Benutzeroberflächen der Silicon-Graphics-Rechner hoch: Mit modernster Computertechnik arbeiten bis zu 150 Mitarbeiter (120 Zeichner und 30 Computerspezialisten) an den 84 Trickminuten des Märchenabenteuers, das im Oktober 1997 ins Kino kommt. Warner Bros. Deutschland zeigte sich von dem Projekt und den ersten Entwürfen derart begeistert, daß sie nicht nur als Co-Produzent einstieg: sie wird den fertigen Film mit 450 Kopien in den deutschen Kinos starten und auch den internationalen Verleih betreuen.

Mit Bleistift und Maus-Klick
Nach mehr als 50 Spielfilmproduktionen übernimmt Junkersdorf zusammen mit Jürgen Richter und Michael Coldewey erstmals auch als Regisseur die Verantwortung. Was ihm vorschwebte, war die Idealverbindung klassischer, per Hand gezeichneter Animation mit den buchstäblich grenzenlosen Möglichkeiten der im Computer generierten Fantasy-Visionen. Die Hauptfiguren wurden dabei in traditioneller Technik mit dem Zeichenstift erstellt: 500.000 Bögen Zeichenpapier haben Animatoren und Phasenzeichner dafür verbraucht. "Ich glaube nicht, daß das Publikum schon so weit ist, mit Spaß und Freude eine reine Computergeschichte zu akzeptieren," meint Junkersdorf. "Im Gegensatz zu gezeichneten Figuren fehlt es den computererzeugten Figuren ein bißchen an Seele."
pyramide Dennoch will die Munich Animation - mit ihrer technischen Ausstattung das modernste Trickstudio in Deutschland - natürlich nicht auf die Arbeitserleichterung der Großrechner verzichten. Die Animatoren sind in der Regel jünger als 30 Jahre und kommen aus zehn verschiedenen Ländern in die Schwabinger Ohmstraße. In Deutschland waren entsprechende Experten nicht aufzutreiben. Bewußt gab Junkersdorf vielen jungen Mitarbeitern eine große Chance: "Soviel Verantwortung wie bei uns würden sie in einem etablierten Studio nie bekommen." Um der babylonischen Sprachverwirrung Herr zu werden, verständigen sich die Animatoren offiziell auf englisch. Leichter fällt ihnen die Sprache der Technik: In den Programmen "Softimage 3D", "Toonz" und "Animo" (von Cambridge) gibt es wenig Kommunikationsprobleme, die Diskussionen sind rein ästhetischer Art. Die Computerspezis konzentrieren sich bei der Animation meist auf nur eine der Figuren - dadurch ist ein einheitlicher Stil leichter zu gewährleisten. Wenn ein Animator im traditionellen Bereich pro Monat 15 Sekunden seiner Figur zum fertigen Film beisteuert, hat er gute Arbeit geleistet.
Erstmals werden computergenerierte 3D-Hintergründe verblüffend effektiv und in derartigem Umfang mit den zweidimensionalen Zeichnungen der animierten Hauptdarsteller kombiniert. Etwa 40 Prozent der Hintergründe kommen aus dem Computer. Bremen bestimmt als atmosphärisch düsterer Großstadtmoloch aus dem Computer die Handlung. Übrigens ein Grund mehr für die reale Hansestadt Bremen, das Märchen und die Verfilmung zum Kinostart mit einer Ausstellung zu würdigen.
Aber auch der angsteinflößende Roboter namens "Powertool" entsteht im Rechner: Weil der altgediente Esel Fred für seinen urkapitalistischen Besitzer nicht mehr produktiv genug arbeitet, ersetzt man ihn durch eine monströse Lasttiermaschine, die mit einem kalten Hauch von "schöner neuer Welt" selbst den Furchtlosen Vier die Haare zu Berge stehen läßt: Powertool kommt als scheppernder Centaur daher, eine Art Terminator-Torso auf dem Rumpf eines stählernen Pferdes.
Die von Hand gezeichneten Helden landen als Scans ebenfalls im Computer und können dort mit den Hintergründen kombiniert werden. Erst danach werden die Umrißzeichnungen digital mit Farbe "ausgemalt". Eine traditionelle Rostrum-Camera zum Abfilmen der einzelnen Bildphasen wird dadurch überflüssig. Jedes fertige Einzelbild entsteht ebenso wie die Sequenz der Bilder im Rechner, der aus 24 Einzelbildern pro Sekunde dann die Illusion perfekter Bewegung schafft. Von der ersten bis zur letzten Einstellung beanspruchen die exakt 120.960 Einzelbilder von "Die Furchtlosen Vier" 17 Millionen Megabyte (= 1,7 Terabyte) Speicherplatz. Um diese gewaltige Datenmenge zu kopieren, bräuchte man 1 Million konventionelle Computer-Disketten! Erst wenn alle Bilder korrigiert sind, werden sie nebenan bei der Münchner Arri TV auf 35mm-Film ausbelichtet. boden Entworfen hat die vier Helden ein Experte aus Hollywood: Carlos Grangel gehört zu den Top-Designern der Animationsbranche und arbeitet für Steven Spielbergs und Jeffrey Katzenbergs neues Studio Dreamworks. Die Ausführung der Entwürfe liegt in den Händen von Animations Director Jürgen Richter. Was die CGI-Elemente (Computer Generated Image) betrifft, übernimmt der Creative Director Michael Coldewey die Verantwortung. "Ich habe das große Glück gehabt, daß ich beim Aufbau des Studios auf Jürgen Richter und Michael Coldewey getroffen bin," sagte Junkersdorf. "Jürgen Richter ist für die traditionelle Animation, in der nach wie vor mit Papier und Bleistift gearbeitet wird, verantwortlich. Michael Coldewey betreut als Creative Director einerseits die Übertragung der Zeichnungen in den Computer, andererseits gestaltet er mit seinen CGI-Animatoren sowohl Figuren wie ,Powertool' und die Fahrzeuge, aber auch die Hintergründe, die komplett im Rechner entstehen, vor allem das Bremen des Dr. Gier. Für beide ist es der erste Spielfilm, bei dem sie eine solch große Aufgabe übernehmen."

Ton läuft!
Da sich ein so ambitioniertes Projekt nur rechnet, wenn der Film weltweit in die Kinos kommt, plante Produzent Junkersdorf von vornherein die englischsprachige Fassung "The Fearless Four" für den internationalen Vertrieb. Wie bei Zeichentrickfilmen üblich, wurden vor Beginn der Produktion die englischen Dialoge und die Songs aufgenommen, die für die Animatoren das rhythmische Konzept vorgeben. Für die deutsche Fassung werden sowohl Dialoge als auch Songs im nachhinein synchronisiert. Mario Adorf, Deutschlands graue Star-Eminenz, wird als Esel Fred das furchtlose Quartett hierzulande mit seinem unverwechselbaren Timbre anführen. Die Musik und Songs lieferte der Austro-Amerikaner Peter Wolf. Denn die "Furchtlosen Vier" wollen ja als Pop-Gruppe Karriere machen. In der internationalen Fassung wird Esel Fred von der Blues-Legende B. B. King gesungen, für die Katze Gwendolyn steuert US-Star Oleta Adams das Lied "Big Girls Never Cry" bei. James Ingram, langjähriger Mitarbeiter von Quincy Jones, der zweimal für den Oscar nominiert worden ist und vier Grammies gewonnen hat, singt den Hund Buster. Dem Hahn Tortellini leiht der italienische Pop-Barde Zucchero sein krächzendes Organ.